Triggerpunkte bei Achillodynie – welche Rolle spielt die Wadenmuskulatur?
Bei einer Achillodynie konzentriert sich die Behandlung häufig auf die schmerzhafte Achillessehne. Gerade bei chronischen oder immer wiederkehrenden Beschwerden kann es jedoch sinnvoll sein, nicht nur die Sehne selbst zu untersuchen. Auch die Waden- und Unterschenkelmuskulatur ist Teil des funktionellen Systems, über das Kräfte auf die Achillessehne übertragen werden.
Eine besondere Rolle können dabei Triggerpunkte bei Achillodynie spielen. Myofasziale Triggerpunkte finden sich unter anderem im M. gastrocnemius und M. soleus, aber auch im M. tibialis posterior. Sie können lokale Beschwerden verursachen, Schmerzen in andere Regionen übertragen und mit einer veränderten Muskelfunktion einhergehen.
Inzwischen gibt es erste klinische Studien, die sich gezielt mit Triggerpunkten der Wadenmuskulatur bei Patienten mit Achillessehnenreizungen (Tendinopathie) beschäftigen.

Was sind Triggerpunkte?
Triggerpunkte sind umschriebene, druckschmerzhafte Bereiche innerhalb eines angespannten Muskelstranges. Bei Druck oder Belastung können sie lokale Schmerzen auslösen.
Charakteristisch ist außerdem, dass Beschwerden in andere Körperregionen übertragen werden können. Dieses Phänomen wird als Referred Pain bezeichnet.
Bei Schmerzen im Bereich der Achillessehne sollte deshalb nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass jeder wahrgenommene Schmerz unmittelbar aus der Sehne selbst stammt.
Insbesondere Triggerpunkte der Waden- und Unterschenkelmuskulatur können bei der funktionellen Untersuchung chronischer Beschwerden von Bedeutung sein.
Warum ist die Wadenmuskulatur für die Achillessehne so wichtig?
Die Achillessehne ist funktionell nicht von der Wadenmuskulatur zu trennen. Der Gastrocnemius-Muskel und M. soleus sind die hinteren Muskeln an der Wade. Ihre Kraft wird über die Achillessehne auf das Fersenbein übertragen.
Beim Gehen, Laufen, Springen und insbesondere beim Abstoßen arbeiten Wadenmuskulatur und Achillessehne daher als Muskel-Sehnen-Einheit.
Veränderungen der Muskelspannung, eine verminderte Dehnfähigkeit, Kraftdefizite oder Triggerpunkte können grundsätzlich die Funktion dieses Systems beeinflussen. Dabei können sich sowohl die Beweglichkeit des Sprunggelenks als auch die Kraftübertragung verändern.
Können Triggerpunkte eine Achillodynie verursachen?
Ein direkter wissenschaftlicher Nachweis dafür, dass Triggerpunkte oder eine erhöhte Muskelspannung der Wadenmuskulatur eine Achillodynie verursachen, liegt bislang nicht vor.
Die funktionellen Zusammenhänge sind jedoch plausibel. Eine veränderte Funktion von Gastrocnemius und Soleus kann die Beweglichkeit des Sprunggelenks und die Kraftübertragung innerhalb des Muskel-Sehnen-Komplexes beeinflussen.
Dadurch können sich auch die mechanischen Bedingungen verändern, unter denen die Achillessehne belastet wird.
Dabei handelt es sich nicht um eine bewiesene einfache Ursache-Wirkungs-Beziehung. Vielmehr können muskuläre Funktionsstörungen einen von mehreren Faktoren darstellen, die bei chronischen Beschwerden berücksichtigt werden sollten.
Aber in der klinischen Erfahrung mit vielen Patienten, hat sich dieses Konzept, häufig in Zusammenhang mit Störfeldern, als Lösung insbesondere von chronischen, scheinbar therapieresistenten Achillessehnenreizungen gezeigt.
Was zeigen Studien zu Triggerpunkten bei Achillodynie?
Eine besonders interessante Untersuchung stammt von Koszalinski et al. (2020). Die Autoren untersuchten Patienten mit Achillessehnen-Tendinopathie und behandelten gezielt myofasziale Triggerpunkte im M. gastrocnemius, M. soleus und M. tibialis posterior.
22 Patienten erhielten entweder manuelle Therapie und Übungen oder zusätzlich ein Dry Needling von Triggerpunkten. In beiden Gruppen verbesserten sich Schmerzen, Funktion, Druckschmerzschwelle und Kraft.
Eine neuere randomisierte klinische Studie untersuchte 60 Patienten mit Achillessehnen-Tendinopathie. Eine Gruppe wurde mittels Dry Needling gezielt an myofaszialen Triggerpunkten des Gastrocnemius behandelt.
Bei der Vergleichsgruppe erfolgte eine ultraschall-gesteuerte perkutane Elektrolyse direkt an der Achillessehne.
Die Schmerzen konnten mit beiden Techniken reduziert werden. Eine Kombination aus erscheint sinnvoll. ebenso die Beweglichkeit des Sprunggelenkes
Haben Patienten mit Achillodynie eine veränderte Beweglichkeit
Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit unterstützt diesen Zusammenhang. Patienten mit Achillessehnen-Tendinopathie zeigten gegenüber beschwerdefreien Kontrollpersonen im Durchschnitt eine um etwa 5° geringere Dorsalextension des Sprunggelenks bei gebeugtem Knie.
Zusätzlich bestanden Defizite bei der Ausdauer der Plantarflexoren. Im Heel-Raise-Test erreichten Patienten mit Achillessehnen-Tendinopathie durchschnittlich etwa zehn Wiederholungen weniger als beschwerdefreie Vergleichspersonen.
Diese Ergebnisse sprechen dafür, bei Achillodynie neben der Sehne auch Beweglichkeit, Kraft und Funktion der Wadenmuskulatur zu berücksichtigen.
Triggerpunkte führen häufig zu verhärtet wenig flexibel Muskulatur. Die Verbesserung der Elastizität der Muskulatur, lässt sich oft über die Behandlung von Triggerpunkten erreichen. Auch entsprechende Studien zeigen erste wichtige Ergebnisse hinsichtlich der Veränderung der Muskelsteifigkeit nach Triggerakupunktur.
Warum untersucht Dr. Bunk bei Achillodynie auch die Muskulatur?
Gerade bei chronischen oder bislang therapieresistenten Beschwerden sollte ein auffälliger Ultraschall- oder MRT-Befund nicht automatisch als alleinige Erklärung für die Schmerzen angesehen werden.
Bei der manuellen Funktionsdiagnostik untersucht Dr. Bunk deshalb neben der Achillessehne auch die beteiligte Waden- und Unterschenkelmuskulatur.
Dabei werden insbesondere Gastrocnemius, Soleus und Tibialis posterior auf Muskelspannung, Druckschmerzhaftigkeit und Triggerpunkte untersucht. Zusätzlich werden die Beweglichkeit des Sprunggelenks, die Fußfunktion und mögliche funktionelle Muskelketten berücksichtigt.
Auch das Gangbild und die Belastungsverteilung des Fußes können zusätzliche Hinweise liefern. Eine Pedobarographie und Ganganalyse kann beispielsweise Über- und Fehlbelastungen des Fußes objektiv darstellen.
Weitere Informationen zu Achillodynie und anderen chronischen Sehnenbeschwerden finden Sie unter Fuß- und Sprunggelenkschmerzen.
Wie können Triggerpunkte bei Achillodynie behandelt werden?
Werden bei der Untersuchung relevante Triggerpunkte festgestellt, kommen abhängig vom individuellen Befund verschiedene Behandlungsmöglichkeiten infrage. Dazu gehören unter anderem manuelle Triggerpunktbehandlung, Dry Needling und Triggerpunktbehandlung, Akupunktur, Neuraltherapie sowie fokussierte oder radiale Stoßwellentherapie.
Beim Dry Needling wird ein zuvor diagnostizierter myofaszialer Triggerpunkt gezielt mit einer feinen Nadel behandelt.
Die Behandlung von Triggerpunkten sollte bei einer Achillessehnen-Tendinopathie jedoch nicht isoliert erfolgen. Ebenso wichtig ist der schrittweise Wiederaufbau der Belastbarkeit von Wadenmuskulatur und Achillessehne durch ein angepasstes Training.
Welche Behandlung sinnvoll ist, richtet sich deshalb nach dem individuellen Befund. Einen Überblick über die in der Praxis bei Dr. Bunk eingesetzten Verfahren finden Sie unter Therapieoptionen.
Was bedeutet die aktuelle Studienlage zu Triggerpunkten bei Achillodynie?
Die aktuelle Forschung rechtfertigt nicht die pauschale Aussage, dass Triggerpunkte oder eine erhöhte Spannung der Wadenmuskulatur eine Achillodynie verursachen.
Sie liefert jedoch mehrere interessante Hinweise: Bei Patienten mit Achillodynie werden Triggerpunkte von Gastrocnemius, Soleus und Tibialis posterior beschrieben und inzwischen gezielt in klinischen Studien behandelt.
Gleichzeitig zeigen Untersuchungen funktionelle Veränderungen wie eine eingeschränkte Dorsalextension oder eine verminderte Ausdauer der Plantarflexoren.
Damit erscheint es insbesondere bei chronischen oder wiederkehrenden Beschwerden sinnvoll, nicht ausschließlich die Achillessehne zu betrachten, sondern auch die Funktion des gesamten Muskel-Sehnen-Komplexes zu untersuchen.
Strukturelle Diagnostik und funktionelle Untersuchung ergänzen sich dabei. Ziel ist nicht, jede Achillodynie auf einen Triggerpunkt zurückzuführen, sondern mögliche zusätzliche Faktoren zu erkennen, die für die Beschwerden des einzelnen Patienten relevant sein können.
Chronische oder wiederkehrende Schmerzen an der Achillessehne? Vereinbaren Sie jetzt einen Termin unter Kontakt oder mit der Online-Terminvereinbarung und erfahren Sie eine Untersuchung von Kopf bis (schmerzhaftem) Fuß.