Störfelder – Bedeutung, Diagnostik und Therapie

Störfelder sind aus ganzheitlicher Sicht belastende Bereiche im Körper (alte Narben, chronische Entzündungen im Kieferbereich), die die körperliche Regulation beeinflussen und funktionelle Beschwerden wie Schmerzen oder Verspannungen auslösen. Im Rahmen der ganzheitlichen orthopädischen Behandlung ist ein wichtiger Aspekt, diese Störfelder aufzusuchen und zu behandeln. Ziel der Therapie ist die Schmerzreduzierung und die Funktionsverbesserung.

Was sind Störfelder?

Der menschliche Körper ist ein hochvernetztes System, in dem alle Strukturen miteinander in Verbindung stehen. Belastungen wirken daher selten nur lokal, sondern können sich über Muskeln (Muskelketten), Faszien und das Nervensystem im gesamten Organismus ausbreiten.

Unter dem Begriff Störfelder versteht man in der ganzheitlichen Medizin Bereiche im Körper, die dauerhaft reizend oder regulierend störend wirken. Häufig stehen dabei alte Narben, chronische Entzündungsprozesse sowie der Zahn- und Kieferbereich im Fokus.

Aus funktioneller Sicht können solche Gewebeveränderungen die körpereigene Regulation beeinflussen. Der Körper reagiert darauf oft mit Anpassungs- und Ausgleichsmechanismen, die sich an anderer Stelle bemerkbar machen können – nicht zwingend am Ursprung selbst.

Typische Beschwerden entstehen dadurch häufig schleichend und sind nicht immer eindeutig einem einzelnen Auslöser zuzuordnen. Dazu zählen unter anderem wiederkehrende oder chronische Verspannungen und Schmerzen ohne erkennbare Ursache.

Ein häufiges Spannungszeichen im Kopfbereich ist das nächtliche Knirschen, Reiben oder Pressen mit den Zähnen (Bruxismus). Ein anderes sind nächtliche Wadenkrämpfe.

Ob eine Narbe oder Zahnauffälligkeit ein Störfeld ist, lässt sich nicht bildlich darzustellen. Nur eine Untersuchung durch einen erfahrenen Spezialisten kann das Störfeld aufzeigen.

Habe ich ein Störfeld?

Störfelder sind ausgesprochen häufig. Insbesondere alte Narben aus dem Kindes- und Jugendalter zeigen im späteren Leben Störfeldeigenschaften. Typisch für Störfelder sind Narben nach Kopfplatzverletzungen, Zahnentfernungen, Mandeloperationen und Blinddarmoperationen.

Häufig sind der oder dem Betroffenen die Umstände des Geschehens (Unfall, Operation) sehr genau in Erinnerung, häufig auch mit negativen Gefühlen.

Viele Menschen haben ein Störfeld. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es bei jedem zu deutlichen Beschwerden kommt.

Häufig haben Menschen aber eine „schlechte Seite“. So berichten Patientinnen und Patienten oft, dass wenn sie mal Schmerzen oder Bewegungsstörungen hatten, diese meistens auf der gleichen Körperseite aufgetreten sind.

Andere Patienten berichten auf Nachfrage von Spannungskopfschmerzen oder Zähneknirschen.

Oft berichten Betroffene auch von einem „schlechten Funktionieren“ einer Schulter oder dass eine bestimmte Bewegung meist nicht gut klappt, ohne das dabei unbedingt Schmerzen auftreten.

Ca. 80% aller Störfelder befinden sich im Kopfbereich

Wieso können Störfelder Schmerzen verursachen?

Was genau bei Störfeldern erfolgt ist nicht bekannt. Im Rahmen der funktionellen Betrachtung des Körpers zeigt sich dem erfahrenen Untersucher jedoch eine Spannungsveränderung über den gesamten Körper des Betroffenen. Meist steht eine Körperhälfte unter einer höheren Muskelspannung im Vergleich zur anderen.

Diese erhöhte bzw. veränderte Grundspannung der Muskulatur verändert zum einen die Flexibilität der Muskeln und erzeugt unter Umständen auch einen chronischen Zug an den Sehnen.

Dadurch können sich angestrengte Muskeln nicht mehr vollständig entspannen und es entwickeln sich Triggerpunkte. Der chronische Zug an den Sehnen, kann chronisch (-rezidivierende) Sehnenansatzentzündungen (z.b. Achillodynie, Tennisellbogen, Plantarfasziitis) hervorrufen.

Bildlich gesprochen ist es so, als würde ein unsichtbarer Gast (Störfeld) an einer langen Tafel (Körper) sitzen und andauern und gleichmäßig an einer Ecke des Tischtuchs (Muskulatur) ziehen. Die Tischdecke bekommt mit der Zeit lange Falten und Aufwerfungen (Triggerpunkte), die sich über die gesamte Tafel erstrecken können.

Wird das Tuch zeitweise weniger festgehalten, z.b. eine schwere Schüssel wird hochgehoben (Sportüberbelastung, leichte Verletzung), kann die Tischdecke etwas weiter rutschen und die Falte wird stärker (schmerzlose chronische Muskelverhärtung). Schließlich fällt ein Glas um. Dem Muskelsystem entsprechend treten nun Schmerzen auf.

Das Glas wird zunächst wieder aufgerichtet und es wird versucht die Falte zu glätten (Physiotherapie, ärztl. Behandlung), doch das Tischtuch ist weiterhin schief und voller Unebenheiten. Daher steht das Glas unsicher und bei geringen Erschütterungen (normaler Sport) fällt das Glas wieder um (der Betroffene hat wieder Schmerzen).

Wie erkennt man ein Störfeld?

Die Diagnostik erfolgt bei Dr. Bunk im Rahmen einer ganzheitlichen funktionellen Untersuchung. Dabei wird die schmerzhafte Region nicht isoliert betrachtet, sondern der gesamte Körper in seiner Gesamtheit aus Statik, Bewegung und Spannungsmustern.

Störfelder sind nicht mit Bildgebung (MRT, Röntgen) sicher zu entdecken (der Gast ist unsichtbar). Allein die körperliche Untersuchung durch den erfahrenen Funktionmediziner und Manualtherapeuten erbringt Hinweise für das Bestehen eines Störfeldes.

Die Kinesiologische Untersuchung ist hierbei wesentlich zur Diagnostik von Störfeldeigenschaften und dient ebenso zur Kontrolle nach erfolgter Therapie (der unsichtbare Gast kann durch Berührung spürbar werden).

Typische Störfelder sind Narben im Kopfbereich und weniger häufig am Oberkörper. Im Röntgen der Zähne (Panoramaaufnahme bzw. DVT) zeigen sich oft verdächtige Regionen (z.b. verbliebene Zahnstücke, Veränderungen an den Zahnwurzeln).

Therapie von Störfeldern

Die Behandlung von dringend als Störfeld verdächtigen Körperregionen erfolgt durch direkte neuraltherapeutische Infiltrationen (Spritzenbehandlung). Dadurch wird das Störfeld stumm (der unsichtbare Gast muss den Tisch verlassen und zieht nicht mehr am Tischtuch).

Ist oder war das Störfeld verantwortlich für die Beschwerden sind die klinischen und körperlichen Veränderungen oft in sehr kurzer Zeit feststellbar. Ob eine Störfeldbehandlung ausreicht zeigt ich in den folgen Tagen nach der Behandlung.

In einigen Fällen haben Betroffene mehrere unterschiedlich aktive Störfelder , die die weitere Diagnostik und Behandung erschweren können. Eine regelmäßige körperliche Untersuchung und Überprüfung der Gesamtkörperspannung ist daher wesentliches Element bei der Behandlung von Störfeldern.

Die über die Störfeldttherapie hinausreichende Behandlung richtet sich immer individuell nach dem jeweiligen Befund und den bestehenden Beschwerden. Im Mittelpunkt steht die Wiederherstellung der regelhaften Muskelfunktion und die Unterstützung der körpereigenen Regulationsfähigkeit.

Ziel der Behandlung ist es, den Körper aus belastenden Kompensationsmustern herauszuführen und eine funktionelle Balance wiederherzustellen.

Reicht die Störfeldbehandlung?

Bei chronischen und wiederkehrenden Schmerzen und Beschwerden ist die Störfeldtherapie nur ein erster, aber sehr wichtiger Punkt. Ausgehend von dem oben beschriebenen Modell der Schmerzentstehung schafft die Störfeldbehandlung zunächst nur den störenden Auslöser zu beseitigen (der unsichtbare Gast ist nun weg).

Nun gilt es aber chronische Veränderungen wie Muskelverhärtungen, Dysbalance und Triggerpunkte zu behandeln (die Tischdecke soll wieder gerade liegen). Hierzu erfolgt die Behandlung mit Neuraltherapie, Akupunktur und weiteren physikalischen Behandlungsmöglichkeiten.

Lokale Entzündungen z.B. an Sehenansätzen, die bereits Veränderungen der Struktur zeigen (z.B. chronische Achillodynie mit Schwellung und Rötung) können zusätzlich mit lokalen Mitteln wie Infiltrationen mit Eigenplasma (PRP) und Stoßwelle behandelt werden.

Darüber hinaus sind aber schmerzverstärkende Aspekte wie z.B. chronischer Stress, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder funktionelle Fehlmuster zu berücksichtigen. Strukturelle Veränderungen der Gelenke (z.B. Arthrose) sind ebenfalls ein wichtiger Aspekt.

Im Zentrum der Behandlung steht immer der Mensch als funktionelle Einheit. Beschwerden werden nicht als isolierte Symptome verstanden, sondern im Zusammenhang mit möglichen Einflussfaktoren im gesamten Körper betrachtet.

So entsteht ein therapeutischer Ansatz, der darauf ausgerichtet ist, Ursachen im System zu erkennen und die Selbstregulation des Körpers nachhaltig zu unterstützen.

Ist die einmalige Behandlung von Störfeldern ausreichend?

Ist das Störfeld eine alte Narbe, so muss leider von wiederholten Behandlungen ausgegangen werden. Die Narbe als dauerhafte strukturelle Veränderung im Körper ist nicht zu entfernen.

Häufig zeigen behandelte Narben im Verlauf eine erneute Aktivität. Alternativen zur Infiltration sind Osteopathie und Akupunktur des betroffenen Gebietes.

Handelt es sich dagegen um eine chronische Entzündung im Zahn-Kieferbereich im Sinne einer „silent inflamation“, ist die operative Therapie durch den Zahnarzt oder Kieferorthopäden eine wirksame Option.

Was ist wichtig im Rahmen einer Störfelddiagnostik?

Insbesondere bei chronischen und unklaren Schmerzen am Bewegungsapparat kommt die Aktivität eines Störfeldes in Betracht. Zur Ergänzung der Störfelddiagnostik ist die Panoramaaufnahme der Zähne bzw. ein DVT wichtig.

Erscheint ein Zahn auffällig im Sinne einer Störfeldaktivität muss der Abgleich mit dem Röntgen erfolgen. In einigen Fällen zeigt sich auch im Röntgen eine Auffälligkeit, die sich dann idealerweise auch grundsätzlich behandeln lässt.

Im Rahmen der ganzheitlichen Diagnostik müssen aber auch strukturelle Ursachen wie Gelenkverschleis (Arthrose), Entzündungen oder andere Veränderungen abgeklärt werden.

Das Tischtuch kann nämlich auch nicht mehr glatt liegen, wenn die Tafel selbst beschädigt ist und Unebenheiten oder gar Löcher hat.

Leiden Sie unter wiederkehrenden oder chronischen Beschwerden? Vereinbaren Sie telefonisch oder online gerne einen Termin. Gemeinsam prüfen wir, ob ein bislang unentdecktes Störfeld zu Ihren Beschwerden beitragen könnte.