Plantarfasziitis: Die Bedeutung von Triggerpunkten

Bei einer Plantarfasziitis konzentriert sich die Behandlung häufig auf die schmerzhafte Ferse und die Plantarfaszie. Gerade bei chronischen oder wiederkehrenden Beschwerden kann es jedoch sinnvoll sein, auch Triggerpunkte der Waden-, Unterschenkel- und Fußmuskulatur zu beachten können bei Plantarfasziitis eine Rolle spielen.

Mittlerweile gibt es mehrere klinische Studien, die sich mit Triggerpunkten bei Plantarfasziitis und deren Behandlung beschäftigen.

Besonders interessant sind dabei der Musculus gastrocnemius und Musculus soleus. Eine erhöhte Muskelspannung, eine verminderte Dehnfähigkeit oder myofasziale Triggerpunkte können die Funktion des Sprunggelenks und des Fußes beeinflussen.

Darüber hinaus können Triggerpunkte Schmerzen in die Ferse oder Fußsohle übertragen und damit Beschwerden verursachen, die einer lokalen Plantarfaszien-Symptomatik ähneln oder diese begleiten.

Ansicht der Schmerzausbreitung bei plantarfasziitis
typisches Schmerzgebiet bei Plantarfasziizis

Was sind Triggerpunkte?

Triggerpunkte sind umschriebene, druckschmerzhafte Bereiche innerhalb eines angespannten Muskelstranges. Sie können lokale Beschwerden verursachen, aber auch Schmerzen in andere Körperregionen übertragen. Dieses Phänomen wird als Referred Pain bezeichnet.

Triggerpunkte in der Fuß- und Beinmuskulatur können die Muskelspannung in den verschiedenen Muskeln verändern und dabei einen Einfluss auf die aus den Muskeln entspringenden Sehnen nehmen.

Bei Fersenschmerzen ist diese Schmerzübertragung besonders interessant. Nicht jeder Schmerz unter der Ferse muss ausschließlich aus der Plantarfaszie selbst stammen. Auch Triggerpunkte der Waden-, Unterschenkel- und Fußmuskulatur können zur Schmerzsymptomatik beitragen.

Bei der manuellen Funktionsdiagnostik wird deshalb nicht nur die schmerzhafte Stelle untersucht, sondern auch nach möglichen funktionellen Zusammenhängen gesucht.

Welche Muskeln zeigen bei Plantarfasziitis besonders häufig Triggerpunkte?

Eine Untersuchung mit 100 Patienten mit Plantarfasziopathie beschäftigte sich gezielt mit dieser Frage. Insgesamt wurden 15 Muskeln der Oberschenkelrückseite, des Unterschenkels und des Fußes auf myofasziale Triggerpunkte untersucht.

Auf der betroffenen Seite fanden die Untersucher besonders häufig Triggerpunkte im medialen Gastrocnemius (98 %) und im Musculus quadratus plantae (83 %). Es folgten der Soleus (69 %), der Tibialis posterior (46 %), der Abductor hallucis (42 %) und der Flexor hallucis longus (41 %).

Bemerkenswert war der Unterschied zur beschwerdefreien Seite. Dort wurden beispielsweise Triggerpunkte des medialen Gastrocnemius nur bei 26 % der Patienten gefunden.

Diese Untersuchung beweist nicht, dass Triggerpunkte die Plantarfasziitis verursachen. Sie zeigt jedoch eine deutliche Assoziation zwischen plantarer Fersenschmerzsymptomatik und myofaszialen Triggerpunkten bestimmter Waden- und Fußmuskeln.

Warum kann die Wadenmuskulatur bei Plantarfasziitis wichtig sein?

Gastrocnemius und Soleus sind über die Achillessehne mit dem Fersenbein verbunden und beeinflussen die Beweglichkeit des oberen Sprunggelenks. Beim Gehen und Laufen wirken Wadenmuskulatur, Achillessehne, Fersenbein und Fuß als funktionelles System zusammen.

Veränderungen von Muskelspannung, Dehnfähigkeit und Muskelfunktion können deshalb die Bewegungsabläufe und Belastungsverteilung des Fußes beeinflussen.

Aus funktioneller Sicht ist daher folgende Verbindung plausibel:

Funktionsstörung der Wadenmuskulatur → veränderte Beweglichkeit und Kraftübertragung → veränderte Fußmechanik und Belastungsverteilung → mögliche Mitbeteiligung an Beschwerden der Plantarfaszie.

Dies ist allerdings kein bewiesene lineare Ursache-Wirkungs-Beziehung. Eine Plantarfasziitis ist ein multifaktorielles Krankheitsbild, bei dem verschiedene mechanische, muskuläre und individuelle Faktoren zusammenwirken können.

Kann die Behandlung von Waden-Triggerpunkten die Beschwerden verbessern?

Eine besonders interessante randomisierte Studie von Moghtaderi et al. untersuchte 40 Patienten mit Plantarfasziitis.

Eine Gruppe erhielt eine Stoßwellentherapie ausschließlich im Bereich der schmerzhaften Ferse. Bei der zweiten Gruppe wurden zusätzlich Triggerpunkte von Gastrocnemius und Soleus mittels Stoßwelle behandelt.

Acht Wochen nach der Behandlung hatten sich die Schmerzen in beiden Gruppen verbessert. Die Schmerzreduktion war jedoch bei den Patienten, bei denen zusätzlich die Triggerpunkte der Wadenmuskulatur behandelt worden waren, signifikant stärker. Auch beim klinischen Funktionsscore schnitt die kombinierte Behandlung besser ab.

Die Studie liefert damit einen interessanten Hinweis darauf, dass bei Plantarfasziitis die Behandlung der Wadenmuskulatur zusätzlich zur lokalen Behandlung der Ferse sinnvoll sein kann.

Was bewirkt Dry Needling von Gastrocnemius und Soleus?

Eine weitere randomisierte Untersuchung beschäftigte sich ausdrücklich mit Patienten mit Plantarfasziitis und Triggerpunkten im Gastrocnemius und Soleus.

Nach Dry Needling der Triggerpunkte zeigte sich gegenüber der Kontrollgruppe eine signifikante Reduktion der Schmerzen. Besonders interessant war, dass zusätzlich die mittels Ultraschall gemessene Dicke der Plantarfaszie signifikant abnahm.

In einer anderen klinischen Studie mit Patienten mit chronischem Fersenschmerz führte Dry Needling zu einer signifikant stärkeren Schmerzreduktion als in der Kontrollgruppe. Gleichzeitig verbesserten sich funktionelle Parameter.

Eine 2024 veröffentlichte Übersichtsarbeit zeigte das, wenn Dry Needling zusätzlich zu einer Standardbehandlung eingesetzt wurde, verbesserten sich sowohl die Schmerzen als auch der Foot Function Index signifikant stärker als unter der Standardbehandlung allein.

Beim direkten Vergleich von Dry Needling mit anderen Behandlungsverfahren zeigte sich ebenfalls eine signifikante Verbesserung der Fußfunktion.

Interessant ist außerdem der zeitliche Verlauf: Die Autoren fanden Hinweise darauf, dass sich der Behandlungseffekt insbesondere nach etwa einem Monat deutlicher zeigt.

Ist die Plantarfasziitis immer eine Entzündung?

Der gebräuchliche Begriff Plantarfasziitis suggeriert eine klassische Entzündung. Gerade bei chronischen Beschwerden finden sich jedoch häufig eher degenerative und strukturelle Veränderungen der Plantarfaszie.

Deshalb wird in der wissenschaftlichen Literatur teilweise auch von Plantarfasziopathie oder plantarer Fersenschmerzsymptomatik gesprochen.

Das erklärt auch, warum eine rein entzündungshemmende Betrachtung chronischer Beschwerden häufig zu kurz greift.

Neben der Plantarfaszie selbst können funktionelle Faktoren wie Muskelspannung, Triggerpunkte, Beweglichkeit des Sprunggelenks und die Belastungsverteilung des Fußes berücksichtigt werden.

Warum untersucht Dr. Bunk bei Plantarfasziitis auch die Waden- und Fußmuskulatur?

Gerade bei chronischen oder bislang therapieresistenten Fersenschmerzen untersucht Dr. Bunk nicht nur die schmerzhafte Plantarfaszie.

Im Rahmen der manuellen Funktionsdiagnostik werden insbesondere Gastrocnemius und Soleus, aber auch Tibialis posterior und funktionell relevante Muskeln des Fußes auf Muskelspannung, Druckschmerzhaftigkeit und Triggerpunkte untersucht.

Zusätzlich werden die Beweglichkeit des Sprunggelenks, Fußstellung und funktionelle Muskelketten berücksichtigt.

Auch das Gangbild und die Druckverteilung unter dem Fuß können wichtige Hinweise liefern. Mittels Pedobarographie und Ganganalyse lassen sich Belastungsmuster beim Stehen und Gehen untersuchen.

Ziel ist es, mögliche funktionelle Faktoren zu erkennen, die neben Veränderungen der Plantarfaszie zur Entstehung oder Aufrechterhaltung der Beschwerden beitragen können.

Wie können Triggerpunkte bei Plantarfasziitis behandelt werden?

Werden bei der Untersuchung relevante Triggerpunkte festgestellt, kommen abhängig vom individuellen Befund unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten infrage.

Dazu gehören unter anderem manuelle Triggerpunktbehandlung, Dry Needling, Akupunktur, Neuraltherapie sowie die fokussierte oder radiale Stoßwellentherapie.

Beim Dry Needling und der Triggerpunktbehandlung werden zuvor diagnostizierte myofasziale Triggerpunkte gezielt behandelt.

In der Studie von Moghtaderi et al. war die Kombination aus lokaler Behandlung der Ferse und zusätzlicher Behandlung der Waden-Triggerpunkte wirksamer als die alleinige Behandlung der Ferse.

Welche Therapie sinnvoll ist, richtet sich jedoch nach dem individuellen Befund. Einen Überblick über die eingesetzten Verfahren finden Sie unter Therapieoptionen.

Chronische oder wiederkehrende Fersenschmerzen? Vereinbaren Sie jetzt einen Termin funktionellen Untersuchung damit Sie schneller wieder zügig unterwegs sein können.