Pes anserinus-Syndrom
Schmerzen an der Innenseite des Knies, insbesondere unterhalb des Gelenkspalts, werden häufig als Pes-anserinus-Syndrom oder Pes-anserinus-Bursitis bezeichnet. Dabei wird meist eine Reizung der Sehnenansätze und des Schleimbeutels an der Innenseite des Knies angenommen. Diese lokale Betrachtung erklärt jedoch nicht immer, warum die Beschwerden entstehen oder immer wieder auftreten.Gerade beim Pes-anserinus-Syndrom können Funktionsstörungen des gesamten Bewegungsapparates eine wichtige Rolle spielen.
Was verursacht ein Pes-anserinus-Syndrom?
Der sogenannte Pes anserinus entsteht durch das Zusammenspiel der Sehnen von drei Muskeln (M. sartorius, M. gracilis, M. semitendinosus), die an der Innenseite des Unterschenkels ansetzen. Diese Muskulatur ist wesentlich an der Stabilisierung und Führung des Kniegelenks beteiligt.
Verändert sich die Belastung innerhalb dieser funktionellen Kette, kann es zu einer erhöhten Spannung der beteiligten Muskeln und Sehnen kommen.
Eine dauerhaft erhöhte Spannung der Oberschenkel- und Wadenmuskulatur kann die Beschwerden häufig auslösen.
Eine eingeschränkte Hüftbeweglichkeit, eine veränderte Beinachse oder eine Fehlfunktion von Fuß und Sprunggelenk können dabei ebenso eine Rolle spielen wie eine muskuläre Dysbalance.
Welche Rolle spielen Triggerpunkte beim Pes-anserinus-Syndrom?
Bei Schmerzen an der Knieinnenseite sollte unbedingt auch die Beinmuskulatur untersucht werden. Triggerpunkte können Schmerzen in den Bereich des Pes anserinus übertragen und gleichzeitig die normale Funktion der beteiligten Muskeln verändern.
Dadurch kann ein Kreislauf aus Muskelverspannung, veränderter Bewegungskoordination und lokaler Überlastung entstehen. Die Beschwerden werden dann möglicherweise am Knie wahrgenommen, obwohl die funktionelle Ursache teilweise in der Muskulatur oder an einer anderen Stelle der Bewegungskette liegt.
Deshalb wird bei einer funktionellen Untersuchung nicht nur der schmerzhafte Bereich an der Knieinnenseite betrachtet.
Können Störfelder eine Rolle spielen?
Bei chronischen, unklaren oder immer wiederkehrenden Beschwerden kann zusätzlich nach möglichen Störfeldern gesucht werden. In der Neuraltherapie werden darunter dauerhaft reizende Bereiche wie beispielsweise alte Narben oder chronische Reizzustände verstanden, die über nervale und vegetative Regulationsmechanismen die Funktion von Muskulatur und Bewegungsapparat beeinflussen können.
Ein Störfeld muss dabei nicht in unmittelbarer Nähe des Knies liegen. Bei entsprechenden Hinweisen kann die Suche nach möglichen Störfeldern die funktionelle Diagnostik ergänzen.

Wie wird das Pes-anserinus-Syndrom behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach den festgestellten Funktionsstörungen. Ziel ist nicht nur, die gereizte Region an der Knieinnenseite zu behandeln, sondern die Ursachen der wiederholten Überlastung zu korrigieren.
Bei muskulären Verspannungen und Triggerpunkten können manuelle Triggerpunkttherapie, Dry Needling oder Neuraltherapie eingesetzt werden. Gelenkfunktionsstörungen können manualmedizinisch behandelt werden. Eine gezielte Physiotherapie verbessert Beweglichkeit, Muskelkoordination und Belastbarkeit.
Auch die Funktion von Hüfte, Becken, Sprunggelenk und Fuß wird berücksichtigt. Bei entsprechenden Befunden können sensomotorische Einlagen oder eine gezielte Korrektur von Bewegungs- und Belastungsmustern die Behandlung ergänzen.
Bei einer ausgeprägten lokalen Reizung können zusätzlich physikalische Verfahren wie Stoßwellentherapie eingesetzt werden. Liegt eine begleitende Schleimbeutelreizung vor, kann auch eine Behandlung mit PRP (ACP) unterstützen.
Muss das Knie geschont werden?
Bei akuten Beschwerden kann eine vorübergehende Reduzierung der Belastung sinnvoll sein. Eine dauerhafte Schonung beseitigt jedoch nicht die zugrunde liegende Funktionsstörung.
Entscheidend ist vielmehr, die Belastbarkeit schrittweise wiederherzustellen und gleichzeitig die Bewegungsfunktion zu verbessern. Dabei sollte die gesamte funktionelle Kette von Fuß und Sprunggelenk über Knie und Hüfte bis zum Becken berücksichtigt werden.
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